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Wenn das Herz aus dem Takt gerät

Dr. Viktor Schibajew, Oberarzt der Kardiologie am Klinikum Landkreis Tuttlingen (KLT), referierte im Zuge von "Ärzte im Dialog" in Trossingen über das Vorhofflimmern, die häufigste Herzrhythmusstörung.

In Deutschland leiden schätzungsweise 1,5 bis zwei Millionen Menschen an Vorhofflimmern, der häufigsten andauernden Herzrhythmusstörung. Häufig nennen Experten eine Zahl von rund 1,8 Millionen Betroffenen. Die Zahl der Erkrankten steigt aufgrund der alternden Bevölkerung stetig an und wird sich laut Prognosen in den kommenden Jahrzehnten voraussichtlich verdoppeln. Vor diesem Hintergrund war das Interesse am Vortrag von Dr. Viktor Schibajew, Oberarzt der Kardiologie des Klinikums Landkreis Tuttlingen (KLT), zu diesem Thema sehr groß. Dr. Schibajew referierte im Rahmen der Reihe „Ärzte im Dialog“ im Kundencenter der BKK SBH in Trossingen.

Dabei stießen nicht nur seine Ausführungen der Therapie des Vorhofflimmerns auf großes Interesse, sondern auch seine Erklärungen, wie die Erkrankung entsteht. Der Arzt führt dies auf drei Faktoren zurück; auf genetische Veranlagung, auf fortschreitendes Alter und die Krankheit selbst, die sich in ihrem Verlauf verstärkt: Begleitet von Symptomen wie Herzstolpern, Herzrasen oder Schwächegefühl, tritt die Rhythmusstörung oft anfallartig auf und kann dauerhaft werden. Doch damit nicht genug: Unbehandeltes Vorhofflimmern erhöht das Schlaganfallrisiko erheblich.

Der Tuttlinger Kardiologe machte deutlich, dass die Häufigkeit mit dem Alter stark zunimmt, aber auch junge, sportliche Menschen betroffen sein können. Zwar gebe es heute moderne, intelligente Smartwatches, die bei der Diagnose der Herzrhythmusstörung unterstützen. Allerdings sei eine sichere Diagnose von Vorhofflimmern nur per EKG möglich.

Zur Behandlung von Vorhofflimmern stehen verschiedene Optionen zur Verfügung. Dr. Viktor Schibajew erklärte, wie man Patientinnen und Patienten mit Medikamenten behandelt, die den Puls entschleunigen und den Herzschlag wieder in den normalen Takt bringen. Dahinter stehen zwei medikamentöse Therapieansätze: die „Rhythmuskontrolle“ und die „Frequenzkontrolle“. Die Frequenzkontrolle zielt darauf ab, die schnelle Schlagfolge des Herzens zu bremsen, wobei die grundsätzliche Unregelmäßigkeit des Herzschlags bestehen bleibt. Währenddessen zielt die Rhythmuskontrolle darauf ab, den „Sinusrhythmus“, also den normalen Herzrhythmus, wiederherzustellen und aufrechtzuerhalten. Zusätzlich zu den Antiarrhytmika erhalten viele Patienten Blutgerinnungshemmer. Das schützt sie, weil beim Flimmern das Blut in den Vorhöfen langsamer fließt und sich so leichter Blutgerinsel bilden können, die einen Schlaganfall auslösen können.

Kurzfristig kann auch eine Kardioversion helfen, das Herz wieder in den richtigen Takt zu versetzen. Ein kurzer Stromstoß kann bei den meisten Patienten zwar das Flimmern beseitigen, nicht aber die Ursache. 

Einen längerfristigen Erfolg zur Rhythmuskontrolle verspricht in vielen Fällen jedoch die Katheterablation. Dem Vorhofflimmern liegen unkontrollierte elektrische Erregungen zugrunde, die einem Bereich entstammen, in dem die Lungenvenen direkt an den Herzvorhof anschließen. Die elektrischen Fehlreize lassen sich beenden, indem man die Erregungsleitung aus diesem Lungenvenenbereich vom Vorhof isoliert. Dazu führt der behandelnde Arzt meist über die Leistenvene einen millimeterdünnen Schlauch mit mehreren Sonden – einen Katheter – ins Herz ein und zerstört gezielt die Zellen, die das Vorhofflimmern auslösen. Dies geschieht meist mit Hilfe Hochfrequenzstrom oder Kälte.

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