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"Die Zauberpille für ein langes Leben gibt es nicht"

Chefarzt Dr. Jürgen Schmidt räumt bei Wurmlinger Senioren mit Mythen des Älterwerdens und Jungbleibens auf: Das Geheimnis besteht in einem ausgewogenen, gesunden Lebenswandel.

Longevity – zu Deutsch: „Langlebigkeit“ – ist in aller Munde. Die Lebenserwartung wird nicht nur von den Genen und den Lebensbedingungen bestimmt. Die individuelle Lebensweise hat einen großen Einfluss, um nicht zu erkranken und gesund alt zu werden. Wie man das positiv beeinflussen kann, erläuterte nun Dr. Jürgen Schmidt, Chefarzt der Medizinischen Klinik II des Klinikums Landkreis Tuttlingen, im Zuge eines Vortrags im Gemeindehaus St. Josef Wurmlinger Seniorinnen und Senioren. 

„Die Zauberpille dafür gibt es nicht“, stellte Dr. Schmidt fest. Vielmehr sei ein gesunder, ausgewogener Lebenswandel vorteilhaft. „Die Lebensgewohnheiten schaffen die Grundlage für ein langes Leben“, so der Tuttlinger Mediziner. Das belegen die Erkenntnisse aus breit angelegten Studien, auf die er sich bezog. Wichtig sei auch die regelmäßige Krebsvorsorge, schließlich sei Krebs eine „Alterserkrankung“ – mit den Jahren wächst das Risiko. Vor diesem Hintergrund sei es durchaus eine probate Strategie für ein langes Leben, Risikofaktoren auszuschalten, die durch Konsumgifte wie Nikotin und Alkohol sowie durch Bewegungsmangel und Übergewicht entstehen.

Darüber hinaus rät der Chefarzt zu einer gesunden, ausgewogenen Ernährung. Diese bringe viel mehr als teilweise teuer verkaufte Anti-Aging-Substanzen. Einzig empfehlenswert für Senioren sei aus seiner Sicht Kreatin, das Effekte für den Muskelaufbau bringe. Dabei sei dieses Nahrungsergänzungsmittel, auf das auch Bodybuilder setzen, ungefährlich und verhältnismäßig günstig. 

Dr. Jürgen Schmidt räumte unter Verweis auf groß angelegte wissenschaftliche Studien auch mit weit verbreiteten Mythen zur ewigen Jugend auf. Zum Beispiel, dass Rotwein aufgrund des in ihm enthaltenen Antioxidans Resveratrol die Alterung verzögere. „Um diese Wirkung zu realisieren müssten Sie schon täglich 2500 Gläser Rotwein trinken“, lächelte der Arzt. Er machte deutlich, dass vegetarische Ernährung in punkto Langlebigkeit keinerlei Vorteile bringe, sondern dass Vegetarier gegenüber Fleischessern tatsächlich ein erhöhtes Schlaganfallrisiko trügen.

Für ungläubiges Staunen sorgten Schmidts klare Worte bei der Einnahme von Vitamin D – „Das ist Quatsch!“ Vitamin D bringe rein gar nichts; man könne es einnehmen oder eben auch nicht. Andere Vitamine seien in gewissen Konzentrationen mit Blick auf das Krebsrisiko sogar bedenklich. Für Dr. Schmidt der größte Schwindel: „Rauchervitamine“ mit viel Betacrotin, wie sie eine Supermarktkette bereits vermarktet hat.

Nachweislich gut tue es dem menschlichen Körper zu fasten; auch das sei nachgewiesen. Dies trage dazu bei, gealterte Zellen in den Reparaturmodus zu versetzen. Fasten habe tatsächlich die Wirkung, die Anti-Aging-Produkten immer wieder zugeschrieben werde. Neu sei diese Erkenntnis gewiss nicht, wie das Beispiel des Renaissance-Buchautors Luigi Cornaro zeige. Dieser habe mit 40 Jahren und einem Leben in Saus und Braus erkannt, dass sein Körper Verfallserscheinungen aufwies und daraufhin nur noch ganz wenig Nahrung zu sich genommen. Derart rank und schlank geworden wurde Cornaro sagenhafte 98 Jahre alt. „Damit ist klar, dass es Longevity schon vor 500 Jahren gab“, meinte Dr. Jürgen Schmidt augenzwinkernd.

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